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Internationales Jugendcamp Skibergsteigen Berchtesgaden
Bei der vierten Auflage waren nun die Deutschen an der Reihe: Das ursprünglich als Kooperation zwischen dem Deutschen Alpenverein, dem österreichischen Fachverband ASKIMO und dem slowakischen Verband für Skibergsteigen ins Leben gerufene internationale Jugendcamp fand nach drei Stationen in Österreich und der Slowakei in diesem Jahr vom 15.‐17. Januar in Berchtesgaden statt.

Lokaler Ausrichter war dabei die DAV Sektion Berchtesgaden in Kooperation mit dem Skiclub Ramsau. Zwar wurde aus dem angedachten internationalen ein „duo‐nationales“ Camp, denn etliche Teilnehmer aus weiteren Ländern hatten kurzfristig abgesagt, das tat aber der guten Stimmung unter den gut 30 Jugendlichen aus Deutschland und Österreich keinen Abbruch. Das Könnens‐Spektrum der Teilnehmer im Alter von 13 bis neunzehn Jahren war dabei breit gefächert: Von erfahrenen Jugend‐Wettkämpfern bis hin zu absoluten Rennsport‐Einsteigern war alles vertreten. Aber es ging beim Camp ja nicht um möglichst schnelle Rennzeiten, sondern vor allem um ein Hineinschnuppern in den Skitourenrennsport und den Austausch mit Gleichgesinnten. Daneben standen noch umfangreiche Informationen zu Material, Technik, Training und Sicherheit auf der Tagesordnung. Als Unterkunft diente die dafür bestens geeignete Jugendherberge in Berchtesgaden, die sowohl für das leibliche Wohl als auch für ausreichend Platz für die Workshops sorgte.

 

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Nachdem alle Teilnehmer eingecheckt hatten, ging es gleich am Freitagabend mit einem echten Highlight los: Bene Böhm, seines Zeichens Geschäftsführer des Camp‐Sponsors Dynafit, hatte es sich nicht nehmen lassen, höchstpersönlich mit einem Vortrag über seine und Basti Haags Speedbegehungen auf Sieben‐ und Achttausender den Campauftakt zu gestalten. Als ehemaliger Läufer der DAV Nationalmannschaft Skibergsteigen weiß Bene natürlich ganz genau, was Sache ist im Wettkampf‐Skibergsteigen und es lag ihm ganz besonders am Herzen, den Youngsters in dieser Sportart seine Erfahrungen weiterzugeben. Nach mehr als zwei Stunden dünner Luft und steilen Abfahrten auf der Leinwand sanken die Teilnehmer schließlich in die Betten, galt es doch gleich am nächsten Morgen wieder, früh fit zu sein. Denn am folgenden Samstag stand als erstes ein kleines Rennen auf dem Programm: Am Hochschwarzeck warteten je nach Altersklasse 250, bzw. 500 Höhenmeter auf die Teilnehmer – gerade unter den Neulingen war eine gewisse Vorstart‐Nervosität spürbar. Streckenchef Wolfgang Palzer und seine Helfer vom Skiclub Ramsau hatten eine kleine aber feine Runde präpariert – die Abfahrt auf der Piste war auch für Einsteiger gut machbar und für allzu Nervöse standen an den Wechseln stets helfende Hände bereit, die zur Not auch einmal ein verklebtes Fell aufzogen. Am Ende hatten beim Rennen (es wunderte niemanden…) die Läufer des DAV Nationalkaders die Nase vorn: Toni Palzer (Berchtesgaden) siegte in starken 24:56 vor seinem Teamkollegen Philipp Reiter (Bad Reichenhall) und Maxi Seebeck (Schönau). Bei den Mädels holte sich Steffi Eder (Trostberg) in 39:03 den Sieg über die lange Strecke vor Franziska Gröbner und Elisabeth Schellmoser (beide Berchtesgaden). Bei den ganz jungen Damen gewann die Österreicherin Ina Forchthammer vor Katharina Stöger (Berchtesgaden) und Lena Vogl (Tacherting). Aber auch die anderen Starter zeigten eine starke Leistung und ließen sich auch nicht von Materialproblemen abhalten – mit Duct‐Tape kann man schließlich alles reparieren…


Auch die aktuellen und ehemaligen Senioren‐Läufer Barbara Gruber, Judith Grassl und Schorsch Nickaes hatten es sich nicht nehmen lassen, ein Auge auf die Jugendlichen zu werfen und wurden am Zieleinlauf gesichtet. Nach einer kleinen Stärkung ging es bei leider nur mäßigen Schneeverhältnissen gemeinsam hinauf zum Hirschkaser, wo nach einem Mittagessen ein Sicherheitstraining mit den Bergführern des Camp‐Partners Pieps auf dem Programm stand. Grobsuchen, Feinsuchen, Sondieren und Graben standen an, und am Ende musste jeder Teilnehmer noch einmal auf Zeit eine Verschütteten‐Ortung durchführen. Erfreulich dabei: Fast alle schafften es in wenigen Minuten – die ganz schnellen sogar deutlich unter einer Minute! Da beim Skibergsteigen entsprechendes Sicherheitstraining einfach mit dazu gehört, wurden die Suchzeiten zu den Rennzeiten vom Vormittag addiert – bei der Siegerehrung am Abend sollten also nicht nur die schnellsten Läufer sondern die besten aus beiden Disziplinen gekürt werden. Bevor bei traumhafter Fernsicht in die Berchtesgadener Alpen wieder gen Tal abgefahren wurde, zeigten Toni Palzer und Philipp Reiter den Teilnehmern noch, wie man einen Blitz‐Wechsel durchführt und auf welche Kniffe es ankommt, um bei dieser vermeintlich nebensächlichen Aktion keine unnötige Zeit zu verlieren.


Zurück in der Jugendherberge wartete eine letzte sportliche Aktivität an diesem Tag auf die Teilnehmer: Trainingswissenschaftlerin Julia Emmler, die seit Herbst die DAV Jugendkader‐Athleten trainingsmethodisch und leistungsdiagnostisch betreut, zeigte, wie ein spezifisches Lauftraining für den Skibergsteiger aussieht und verdeutlichte die Wichtigkeit von Kräftigungsübungen für den ganzen Körper. Nach einer derartigen Dichte an körperlicher Anstrengung war nicht nur das folgende Essen höchst willkommen, sondern auch die letzten Workshops des Tages, bei denen man sich eher zurücklehnen und lauschen konnte: Martin Dufter vom Camppartner Riap Sport erklärte, worauf es bei renntauglichem Material ankommt und zeigte die neuesten technischen Innovationen. Sein Kollege Rupert „Riap“ Baumgartner demonstrierte derweil die Kniffe bei der Skiund Fellpräparation und wachste den einen oder anderen Ski der Teilnehmer. Das Schönste folgte dann an diesem Tag ganz zum Schluss: Bei der Siegerehrung musste niemand leer ausgehen – die Camppartner hatten reichlich Preise zur Verfügung gestellt und der Hauptpreis, ein Dynafit Seven Summits Superlight Ski, wurde unter allen Campteilnehmern verlost. Die Kombiwertung aus Rennzeit und Verschüttetensuche brachte dann noch einmal in einigen Klassen die Wertung durcheinander: Mit schneller LVS‐Suche hatten es einige Teilnehmer schließlich doch noch aufs Podium geschafft.


Für den Abschlusstag war eigentlich ein weiteres kleines Staffelrennen vorgesehen gewesen, aber aufgrund der schlechten Schneelage entschlossen sich die sportlichen Leiter Jörg Rauschenberger und Wolfgang Palzer kurzfristig für eine gemeinsame Skitour auf den Jenner. Bei den gut 1200 Höhenmetern gab es genügend Gelegenheit, den einen oder anderen Tipp zu Spitzkehren oder Material anzubringen. Das gemeinsame Jenner‐Gipfelfoto musste dann wegen Schneesturm leider ausfallen, dafür waren alle Teilnehmer froh, die Bergstation der Jennerbahn erreicht zu haben und sich aufwärmen zu können. Mit einer gemeinsamen Abfahrt endete schließlich am frühen Nachmittag das Jugendcamp an der Jennerbahn‐Talstation. Fazit aller Organisatoren war einstimmig: Eine tolle und gelungene Veranstaltung, wichtig für die Talentsuche und Nachwuchsförderung und in jedem Falle sollte das Camp in dieser Form regelmäßig stattfinden. In diesem Sinne: Auf Wiedersehen in Österreich 2011!

Ergebnisliste Rennen sowie eine Bildergalerie unter alpenverein.de