| | | Teil 2, Valdez Endlose Weite. Endlose Gipfel. Endloses Grinsen. Mit einer Tasse warmen Kakao sitzen wir in unserem Wohnmobil und versuchen Worte zu finden, für das, was wir in den letzten Tagen erleben durften. Nach sieben Tagen Valdez gehen uns die Superlative aus. Der Start unseres Valdez Aufenthalts ist nicht einfach. Vier Tage schlechtes Wetter am Stück mit Nebel, Schneesturm und eisiger Kälte lassen unsere Stimmung in den Keller sinken. Wenn wir eins in dieser Zeit gelernt haben, dann ist es geduldig zu sein – wissen wir jetzt. Denn wir beschließen wegen schlechter Wettervorhersagen unseren Roadtrip nach Anchorage fortzusetzen. Doch schon wieder machen uns die Naturgewalten einen Strich durch die Rechnung. Die einzige Straßenverbindung aus Valdez wird von einer Lawine verschüttet. Auch der Meeresweg bietet keine Option, die nächste Fähre nach Anchorage geht erst in einer Woche. Wir sind quasi gezwungen hier zu bleiben. Das nennt man wohl Schicksal, denn schon am gleichen Nachmittag bessert sich das Wetter und ermöglicht uns eine erste kleine Skitour. Mit Snow-Streetball, Iglubauen und Wintergrillen vertreiben wir uns zusammen mit anderen Backcountry-Fans die Zeit vor der ABA (Alaska Backcountry Adventures) Lodge und warten bis sich die Wolken endgültig verziehen. Der Optimismus, die gute Stimmung sowie die unglaubliche Gastfreundschaft der Menschen hier lassen unsere Laune ganz schnell wieder steigen. Einen Tag später ist es endlich soweit: Die gigantischen Berge rund um Valdez zeigen sich im strahlendsten Sonnenschein – ein Blick der sich nur schwer in Worte oder Bilder fassen lässt. Die endlosen Berggipfel, die endlose Weite und diese endlose Ruhe lassen uns einfach nur staunen und grinsen. Man könnte ein Leben lang täglich einen neuen Gipfel erkunden und würde es dennoch nicht schaffen, alle zu sehen. Doch dann geht plötzlich alles ganz schnell: Sicherheitseinweisung für den Heli-Flug, letzte LVS-Übung und schon stehen wir bepackt mit ABS-Rucksack, Piepser, Sonde, Schaufel und Klettergurt vor dem rot leuchteten Helikopter mit der Aufschrift „Last Frontier“. Die Anspannung ist riesengroß. Tausend Sachen gehen uns durch den Kopf: Werden die Hänge mit den Schneemassen des letzten Schneesturms lawinensicher sein? Sind wir den Abfahrten gewachsen? Was ist mit den unzähligen Gletscherspalten und warum haben wir das viele Geld nicht einfach für einen Shoppingurlaub ausgegeben? Ganz einfach, weil wir hier in Valdez mit Abstand die besten Abfahrten unseres Lebens haben: Gelandet auf einem schmalen Grat mitten im Nirgendwo, ein Ausblick bei dem man einfach nur stehen bleiben und nie wieder weggehen möchte, unverspurte Hänge mit frischem weichen Tiefschnee und endlich die eigene Spur in den Powder ziehen zu dürfen. Für uns ein wahr gewordener Traum, mit dem kein Schuhladen mithalten kann. Wir trinken noch einen großen Schluck Kakao und sind uns einig, dass die weite Reise nach Valdez für alle Natur- und Wintersportbegeisterten mehr als lohnenswert ist. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge werden wir morgen Valdez in Richtung Anchorage verlassen … Fortsetzung folgt! Christl, Tina, Conny und Michi |